Verlangsamte Aktivität. Hier und in meiner übrigen Welt. Gewisse Störfaktoren. Das Klima der letzten Wochen. In der Erdatmosphäre, Weltgeschichte, Privates. Zu hohe Luftfeuchtigkeit, tropisches Klima, das mich nachts schwer schlafen ließ, anstrengend das Atmen. Die Hitze nur durch umständliche Vorkehrungen abzuhalten. Dazwischen seit einigen Wochen Fremde in meinem Lebensraum. Kaufinteressenten. Die durch meine Wohnung, mein Schlafzimmer laufen. Anstatt die Wohnungssubstanz zu prüfen, mit romantischem Blick an den Bildern und der Einrichtung hängen bleiben. Und dann doch nicht kaufen. Wir haben jetzt zehn Jahre Sperrfrist für Eigenbedarf, seit letztem Herbst. Aber kein Gesetz zum „Milieuschutz“ wie in Hamburg und seit kurzem in München. Es gibt einen Aktivisten in der SPD, dessen Antrag bislang nicht genug Zustimmung erfuhr. Man muss Besichtigung ermöglichen. Bis zu drei-, viermal im Monat. Das setzt mir zu. Das raubt mir Muße, die ich sonst zum Bloggen hätte. Ich konnte bislang an den Fingern einer Hand abzählen, wer in den letzten fünfzehn Jahren mein Schlafzimmer betreten hat. Und da sind der Eigentümer der Immobilienverwertungsgesellschaft und seine Tochter schon mitgezählt. Hat jemand Geld und Lust meine Wohnung Joachim- Ecke Auguststraße in Berlin Mitte für 269.793 Euro zu kaufen? Ich ziehe aber nicht freiwillig aus. Nicht in den nächsten Jahren. Und wenn die zehn Jahre um sind, nach dem Grundbucheintrag, sehen wir weiter. Dann bin ich ein Vierteljahrhundert in diesem Adlerhorst, an dem mein Herz hängt. Dass ich in Gedanken bei einer Patientin in einer Rehaklinik bin, die genau genommen meine Mama ist, ist noch eine andere Geschichte, die meine Aufmerksamkeit immer wieder absorbiert. Aber ich höre nicht auf zu bloggen. Ich doch nicht. Da sind noch so viele Wienbilder. So viele Sätze, von denen ich noch nicht weiß, dass ich sie schreiben muss. Will und werde.
Oh je, das würde mich ja auch nerven, wenn ich dauernd Leute durch meine Wohnung führen muß. Und bei der letzten Hitzewelle hatte man ja gar keine Lust aufzuräumen. Bloß gut, daß es heute wieder kühler ist.
P.S. mit Milieuschutz ist (u. a.) gemeint, dass in bestimmten Innenstadtbezirken langjährige Mietshäuser nicht in Eigentumswohnungen umgewandelt werden dürfen (bzw. Luxus-Sanierungen, die die Basis für Wuchermieten bieten sollen, nicht zugestimmt wird). Bei mir ist aber nun eben nicht das Luxussanierungs-Problem, sondern das Umwandlungs-Dings in Eigentumswohnung. Das Vorkaufsrecht für Mieter ist bei den Wucherpreisen ein schierer Witz. Wer so viel Geld übrig hat, hat wiederum andere Ansprüche an moderne Ausstattung und Bausubstanz. So jemand erwartet zu Recht Natursteinfliesen und keine unzulänglichen „Kunststein“-Bodenbeläge pipapo. Aber ich habe das weniger Attraktive geschickt verschleiert. Wenn ihnen das nach der Besichtigung zu Hause langsam dämmert, folgt die Ernüchterung, nehme ich an.
Ich bin selbst gerade ein wenig angefaßt, halte diese ganze Entwicklung aber so oder so für schockierend. Angefangen beim Kaufpreis – wenn ich das mal mit meiner nur wenig kleineren Wohnung hier am Wasser vergleiche. (Wobei unsere Stadtteile in keiner Weise vergleichbar sind, das ist bei Ihnen natürlich schon recht spektakulär und extrem attraktiv vom Umfeld her.) Miete und Wohngeld sind vergleichbar, der Quadratmeterpreis aber um den Faktor Hip-Berlin höher. Heftig. Personal in fremder Leute Auftrag kann ich in meiner Wohnung gar nicht vertragen, da fühle ich mich bedroht – auch wenn ich ansonsten ein recht offenes Haus pflege. Das ist alles furchtbar unerqicklich.
Zu den weiteren Dingen wünsche ich wirklich alles Gute!
Der im Exposé genannte Betrag der monatl. Mieteinnahmen ist übrigens nicht identisch mit der von mir gezahlten Warmmiete. Das ist der Netto-Mietertrag für den Eigentümer, ohne Betriebs- und Nebenkosten. Meine Miete ist ungefähr um den Betrag des „Hausgeldes“ höher, also knapp 250 Euro mehr. Zu DM-Zeiten wären das ungefähr 1600 Mark Miete gewesen. Aber natürlich gelten knapp achthundert Euro Miete für eine schöne Zwei-Zimmerwohung in der Ecke mit Balkon als Schnäppchen, wenn man sich ansieht, was bei Neu-Vermietungen für Preise aufgerufen werden. Da liegt man gut und gerne bei 1000 – 1300 Euro. Ich hatte ja dieses Mieterhöhungs-Ansinnen Ende August 2012, als ich von heute auf Morgen ca. 150 Euro mehr hinblättern sollte. Das hat mich erstmalig bewogen, mich überhaupt in die ganze Thematik Mietrecht und Mietspiegel einzulesen. Ich habe dem Rechtsanwalt des Eigentümers (ohne juristische Unterstützung) in einem fünfseitigen Brief erläutert, warum ich der Mieterhöhung nicht zustimme. Man wollte sich dann auch nicht die Mühe machen, mit mir zu diskutieren, da damals bereits der Fokus bei den Verkaufs-Aktivitäten lag. Aber man versucht es eben mal. Ein Serienbrief wird im Verfahren des Rundumschlags an alle Mietparteien geschickt, in dem mit juristisch scharfem Ton eine Zustimmung zur Mieterhöhung angefordert wird. Am Ende eine Belehrung, gegebenenfalls rechtliche Schritte wahrzunehmen. Ist natürlich hoch gepokert, wenn die Miete ohnehin bereits über dem Mietspiegel liegt. Ich bin wieder um halbsechs aufgewacht, obwohl noch müde. Ist zwar nicht mehr so warm, aber die Luftfeuchtigkeit liegt zwischen 4 und 5 Uhr morgens wieder in einem Bereich, der meiner Atmung zusetzt, ungefähr 85 Prozent. Ewig keine solchen Probleme mehr gehabt. Seit Jahren kein Asthmaspray mehr im Haushalt. Noch beruhigt es sich, indem ich mich in die Senkrechte begebe und Kaffee trinke. Niemals Urlaub in den Tropen. Da würde ich ja eingehen.
Meine neueste Lektüre, das Meteogramm des Verlaufs der relativen Feuchte:
http://www.wetter.net/cgi-bin/wetter-net3/wetter-stadt-graph.pl?IDM=3&ID=47&ALIAS=Berlin&ID2=0®IO=
ich freue mich schon auf den kurzen Einbruch um den 27. herum, ansonsten nächtliche Werte um die 90 Prozent in der kommenden Woche.
„Umwandlungsverordnung“ heißt das, was ich eigentlich meinte, und Hamburg hat, hier in Berlin wird bislang nur herumdiskutiert, siehe
http://www.tagesspiegel.de/berlin/wohnungsmarkt-in-berlin-senat-will-verkauf-von-mietwohnungen-einschraenken/8030616.html
Natürlich würde das bedeuten, dass die Bezirksämter in dem Bereich das Personal aufstocken müssten, um dem nachzugehen und das zu prüfen. Dafür zahle ich gerne Steuern. Als der Artikel geschrieben wurde, im Frühjahr 2013 hatten wir noch die 7-Jahres-Sperre für Kündigung wegen Eigenbedarf in bestimmten Bezirken. Inzwischen immerhin auf zehn Jahre in allen Berliner Bezirken angehoben.
Hier ein offener Brief von einigen Politikern an den Regierenden Bürgermeister und den Senat von Berlin mit der Forderung des Erlasses der schon ewig diskutierten Umwandlungsverordnung
http://mietenblog.de/?p=5655#more-5655
Man hat den Eindruck, die beiden Kommentatoren unter dem Brief haben Recht.
„Wie sagt der Beamte?
geguckt, gelacht, gelocht!“
„und direkt in die „Ablage P“ der Senatskanzlei“
So ein Mist! Und 269.000. Da kriegt man im Vorharz 3 schöne Häuser dafür. Abgesehen vom Hype und dem Preis kann ich solch‘ Bedrohungsempfinden – weit wichtiger – sehr gut nachvollziehen. Ich rechne jeden Tag damit, dass diese Vorgänge auch bei mir in NKN losgehen. Allerdings wäre das derzeit ja dann „nur“ mein Zweitboden.
Ich werde morgen Lotto spielen! Und wenn das mit dem Jackpot klappt, dann kaufe ich die Wohnung, wir verlegen Naturstein und machen eine Miete wie ganz früher! Einzige Bedingung: Sie verpflichten sich notariell, weiterzubloggen!
( 1 / 5 / 12 / 17 / 24 / 48 )
PS: Und alles Beste für das Sonstige.