
Nachdem die Sache mit dem tollen Kunstschatz in München aufgeflogen ist, werden die Ermittler sicher auch bald ihre Spurensuche in Berlin fortsetzen, wo auch noch jede Menge Meisterwerke gebunkert sind. Ich hätte da auch einen Hinweis. Gucken Sie mal bitte demnächst unter der Adresse Bussardsteig 9 in Berlin Dahlem. Am kommenden Sonntag gegen 11:30 Uhr ist dort die Übergabe eines echten Kirchners von 1918 geplant. Sie wissen schon, Ernst Ludwig Kirchner, von dem ist ja auch ein Werk in der Lotterbude in München gefunden worden, nämlich das melancholische Mädchen. Ein tolles Bild – zum Glück – nicht repräsentativ für den Fund der mittlerweile durchgezählten 1.406 Werke. Nun habe ich zwar nur Kunstgeschichte im Wohnzimmer studiert, aber wenn schon im Wikipedia-Eintrag zu Kirchner nachzulesen ist, dass sein Bild „Berliner Straßenszene“ nach der Rückgabe durch Berlin an die rechtmäßige Erbin, am 8. November 2006 bei Christie’s in New York für über 30 Millionen € an die „Neue Galerie“ in New York versteigert wurde, scheint mir die Schätzung „Wert ca. eine Milliarde €“ für 1.406 Bilder etwas schlank bemessen. Wir reden hier wohlgemerkt vom Ertrag eines einzigen Gemäldes von Kirchner. 30 Millionen Euro. Ich freue mich. Posthum. Für ihn. Der wunderbare Kirchner hat sich ja leider ins Herz geschossen, nachdem seine Kunst in seinem Heimatland der’art‘ entwertet wurde. Und deswegen schauen Sie bitte bei nächster Gelegenheit mal zum Bussardsteig 9. Da sind nämlich ganz viele großartige entartete Bilder. Ich will überhaupt nur noch entartete Bilder sehen. Der andere artige Quatsch kann meinethalben in Münchner Rentnerbuden verstauben und in zweitausend Jahren entdeckt werden. Ansonsten haben Sie bitte Verständnis, dass ich jetzt erst so dezidiert von der Entdeckung am Bussardsteig berichte. Die Ermittlungen haben eben so lange gedauert und halten natürlich noch an. Einige handverlesene Leser meines Ermittlerblogs wurden bereits vorab am 29. Oktober 2007 von mir informiert. Die letzten sechs Jahre war ich dann vollauf beschäftigt, die Eigentumsverhältnisse zu klären, was natürlich unheimlich schwierig ist. Zum Beispiel hätte ich natürlich Fotos von allen Meisterwerken vom Bussardsteig einstellen können und Betreffende um Meldung bitten können, die Verdachtsmomente haben, dass es sich um verschollenes Familienerbe handeln könnte. Aber denken Sie sich nur, wie es dann in meinem Postfach ausgeschaut hätte. Von überall in der Welt, wohin diese Leute eben damals emigriert sind, hätte ich Post bekommen, weil irgendwer meint, irgendetwas erkannt zu haben. Mein armes gmx-Postfach wäre sofort total überfüllt gewesen! Die hätten dann noch alle Bild-Anhänge mitgeschickt, mit einem oder mehreren Fotos, wo man vielleicht auf alten Schwarzweiß-Aufnahmen eine Familienfeier sieht, und im Hintergrund eine Wand mit einem verschwommenen Gemälde drauf. Das wäre mir einfach über den Kopf gewachsen. Sicher mögen in den letzten sechs Jahren die einen oder anderen Nachkommen der ehemaligen Besitzer den Gang alles Sterblichen gegangen sein, aber so ein Bild hätte sie letzten Endes (haha, zwinker) auf ihre letzten Tage wahrscheinlich auch nicht mehr retten können. Das nur als Erklärung, wieso es eben seine Zeit braucht, bis man so eine Entdeckung der Öffentlichkeit präsentieren kann. Ich hoffe, Sie sind mit dieser Antwort nun ruhig gestellt und suchen nicht weiter das Haar in der Suppe von dieser Geschichte da unten in München! Was mich in dem Zusammenhang viel mehr beschäftigt ist, wieviele qm und Zimmer die Wohnung in München eigentlich hat. Diese wichtige Angabe habe ich noch nirgendwo ermitteln können. Wenn Sie also sachdienliche Hinweise hierzu haben, bitte in das Kommentarfeld.
http://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=124984
Eine Angabe zur Größe der Wohnung habe ich bislang auch noch nicht gelesen, außer Cornelius Gurlitt und den Steuerfahndern war wohl in jüngerer Vergangenheit keiner drin. Sonderlich groß muss die Wohnung nicht unbedingt sein, schließlich hatte er die Bilder alle platzsparend in Regale gestellt. Dieser Gollum hat seinen Schatz womöglich also gar nicht gebührend bewundert – das machen wir anderen mit dem Schatz am Bussardsteig schon besser. Der ist da nicht in irgendwelche Regale gestopft, und es stehen auch keine abgelaufenen Konservendosen und vergammelte Lebensmittel daneben. Nein, alles ganz ordentlich und schön da am Bussardsteig, wie man auf Ihren geheimen Beweisfotos sehen kann.
87 qm:
http://www.morgenpost.de/kultur/article121587422/Gurlitts-Kunstschatz-ueberwaeltigt-selbst-die-Experten.html
In „einem“ Raum gefunden. Ich schätze eine drei-Zimmer-Wohnung, zwei bewohnt und das dritte als Bilder-Bunker. Wahrscheinlich stark „defragmentiert“ gelagert. Da die meisten ja nicht gerahmt waren, lässt sich das Ganze doch etwas dichter lagern. Jedenfalls muss das Zimmer gut gefüllt gewesen sein. Bei einer 87 qm-Wohnung fallen bei geschätzt drei Zimmern ja nur zwanzig bis dreißig qm pro Raum ab. Küche, Bad und Flur braucht ja auch noch Fläche. In solchen Detailfragen ist die Bildzeitung ja immer sehr auskunftsfreudig. Werde mal da den Sachstand prüfen.
Hm. Hauptsächlich „in einem kleinen Zimmer“ der Wohnung heißt es in der Zeitung mit den vier Buchstaben.
Was natürlich sehr zu denken gibt, wo Gurlitt Beckmanns Löwenbändiger gebunkert haben könnte, den er ja noch nach der Räumung verkauft haben soll. Da gehen die Meldungen auch ein bißchen durcheinander, was die Chronologie angeht.
Wenn das Auktionshaus Lempertz [ http://www.zeit.de/kultur/kunst/2013-11/kunstfund-gurlitt-raubkunst-auktionshandel ] im Herbst 2011 gekauft hat, war die Durchsuchung vielleicht doch erst Anfang 2012, wie der Zoll nun wissen lässt.
Ich bin nun doch ein wenig verwirrt.
Lempertz erklärt http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/thema/2309647/
in wirklichkeit plumpe und obendrein hässliche fälschungen aus den 30er jahren ohne viel wert. marc, liebermann, matisse…für den kenner alles kein original. frag leute, die sich wirklich auskennen.
eins der wenigen echten dinge ist der kirchner-holzschnitt (kein gemälde)…oben und unten rand beschnitten, daher wenig wert. von 1 milliarde kann für alles da keine rede sein. für alles -keine großen echten ölbilder dabei-wirds insgesamt im einstelligen millionenbereich liegen. da geht sich kein champagner, sondern höchstens bier aus.
interessante Einlassungen http://www.theeuropean.de/alexander-wallasch/7583-milliardenschwerer-kunstfund-in-muenchen
Albert Speer hat ja auch gerne Geschichten aus dem All erzählt, was den Verbleib seiner hochkarätigen Kunstsammlung anging, und die er nach der Entlassung aus dem Gefängnis verhökert hat. Man muss nur seine „Erinnerungen“ lesen, um völlige Klarheit zu erlangen, dass ein derartiger verdeckter und cleverer Liebhaber expressionistischer Kunst wie Speer, alles erwirkt hätte, um seine mit viel Hingabe gewachsene Sammlung zu retten.
zum Thema
http://joernborchert.twoday.net/stories/die-sammlung-cornelius-gurlitt-dj/#comments
(edit: bezieht sich auch darauf:
http://www.zeit.de/kultur/kunst/2013-11/kunstfund-muenchen-ns-raubkunst?commentstart=9 – von wegen lahmer bis nicht vorhandener Informationsfluss zwischen Lost Art-Suchmeldungen und diesem und anderen Funden und Beständen)