Ein milder Abend in Berlin. Ich dachte an die Palme, dass sie die laue Luft nicht spürt, hinter der Scheibe der Balkontür, jetzt, seit ein paar Tagen. Manche lassen Yuccapalmen draußen, packen sie ein bißchen ein und viele überstehen auch ein paar Frostnächte. Aber nur kurz und nicht zu viele. Das ist mir zu kompliziert. Ich will sie nicht quälen oder an ihre Grenze bringen. Ich habe es als Kind verabscheut, auch heute noch, mich morgens in einem fußkalten Badezimmer, mit dem Bauch am kalten Waschbeckenrand zu waschen. Nur so ein Vorleger war da. In Hotels ist das auch oft, aber da ist das Bad dann warm und es gibt eine warme Dusche, zu jeder Zeit. Ich lege in Hotelzimmern und Ferienwohnungen dann immer alle verfügbaren Hand- und Badetücher auf die Bodenfliesen. Dann kann ich überall barfuß laufen. In meiner Wohnung bin ich immer nur in Strümpfen, bloß keine Schuhe an den Füßen, daheim. Und im Sommer barfuß. Bei flauschigen Teppichen ist das sehr angenehm. Jetzt ist Wochenende, fein. Am Montag krieg ich interessante Post geschickt. Darauf freue ich mich schon. Auch was, was man nicht erzählen kann, weil ein bißchen – egal. Ha! Da fällt mir gerade auf, illegal und egal ist schon recht ähnlich, vom Wort her. Ich muss aufhören, so ein andeutungshaftes Zeug zu schreiben. Der Leser wird nur neugierig oder denkt sich: „Blöde Geheimnistuerei!“ Und recht hat er. Ich höre ja auch schon auf. Außerdem muss ich mich jetzt wieder um einen bestimmten Daten-Transfer kümmern. Fragen Sie mich bitte nicht. Lebenswerk.
Das sind so die kleinen Anpassungsschwierigkeiten. Obwohl ich ja nun keinen revolutionär anderen Standort gewählt habe, nur ungefähr fünfzig Zentimeter verschoben, und eben nun die Glastür vom Balkon dazwischen, haben sich auch ein paar der untersten Blätter ins Jenseitige begeben. Aber insgesamt ist die Gute fit. Manchmal könnte man denken, sie müssten einem plakativ beweisen, dass sie keine Möbelstücke sind, die man einfach herumschieben kann. Ja, ja, ist ja gut, ist ja gut. Relax! Die sollen mal ganz froh und dankbar sein, dass man sie so verhätschelt. Hörst du? Du da hinten? Wenn ich dich nicht von der Mülltonnenlaube nach oben gebracht hätte, wärst du schon längst in deinem mickrigen alten Plastiktopf elendiglich verendet. Nun bist du hier oben im Paradies, da würden andere deutsche Wohnzimmer-Yuccas viel dafür geben, für so ein Plätzchen! Sogar die Kuppel vom Dom kannst du dir jeden Tag angucken. Also bitte. Und zu trinken kriegst du auch. Oder willst du lieber zu Hannes Jänicke, wo immer Siebzehn Grad sind und kein bißchen mehr? An der Scheibe ist es sowieso schon nicht zu warm, du hast einen wirklich schönen Platz, wo ich auch noch andere Bewerber dafür hätte. Ich will ja nicht drohen. Nur mal so jetzt.