Genau hinschauen. Das Leben ist kurz. Man kann da ganz schnell durchgehen. Durch jede Tür, durch jedes Tor. Aber das mache ich nicht. Weil es ganz besonders dadurch wird, dass man es als besonders versteht. Ein Privileg. Es zu etwas Besonderem macht. Wahrscheinlich funktioniert das mit jedem Ort und jedem Zeitpunkt. Noch dazu, wenn der Ort tatsächlich sehr besonders ist, herausragend, warum sollte man beiläufig durchgehen. Unter einem solchen Himmel. Das wäre doch nicht angemessen. Im Grunde kann man jeden Augenblick in einer Weise erhöhen, dass man von Pathos sprechen kann. Den Augenblick und den Ort aus der Gleichgültigkeit, der Beiläufigkeit heben. Das ist gar nicht schwer.
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Wenn man eine Kamera auf sich gerichtet sieht, egal ob gefilmt oder fotografiert wird, erhöht sich die Selbstwahrnehmung. Man bekommt eine Idee davon, dass es auf jeden Augenblick ankommt. Wie man ist, wie man fühlt, in genau diesem Augenblick, der dann für immer festgehalten sein wird. Der zur teilbaren Erinnerung wird. Und das wird das Leben gewesen sein. Auch das. Die inneren Bilder kann man nur selbst erinnern. Die äußeren erinnern auch die anderen. Von den inneren Bildern erzählen die Geschichten, die geschrieben sind. Wenn die innere Geschichte auf die äußere Geschichte trifft, die zu Bildern materalisiert ist, kann man das Ganze erahnen, dann. All das, was wesentlich gewesen sein wird.

17 Antworten auf „27. September 2011

  1. Es tut gut, Kommentare wie diese zu lesen, liebe Hausmeisterin. Obwohl es ein Vielen vornehmlich egozentrisch erscheinendes Tun sein mag, gibt es doch den Hintergedanken, so etwas wie Inspiration zu verbreiten. Die Inspiration verbreitern. Blickwinkel auf Weitwinkel. Meta meta. Irgendwann ist mir aufgefallen, dass man ohne Extra-Ausgaben Luxus haben kann, wenn man ihn empfindet. Man relativiert nur die Wahrnehmung und schon wird das vermeintlich Normale, Alltägliche ergreifend. Man kann da regelrechten Sportsgeist entwickeln. In dieser Hinsicht habe ich olympischen Ehrgeiz. Ha! Sehr passend insofern auch, dass ich das nun an einem Besuch im Olympiastadion durchexerziere, wo mich keinerlei im herkömmlichen Sinne sportliches Interesse hingetrieben hat. Es ist eine Empathie-Übung, mich interessiert, welche Empfindungen man anhand der Architektur aus diesem dunklen Jahrzehnt haben kann. Unvoreingenommen. Um die Geschichte besser zu begreifen. Da waren viele Gefühle im Spiel, damals. Ein spannendes Selbst-Experiment.

  2. Kunst wie KünstlerIn existieren meiner Meinung nach genau wegen dieses „egozentrisch erscheinenden Tuns“. Wie sonst sollte ein schöpferischer Prozeß enstehen, wenn nicht durch die „Nabelschau“ und den Mut eines eigenwilligen Egos, sich Anderen damit zu offenbaren?! Was den Luxus (ohne Extraausgaben) angeht, übe ich mich (aus der Not ist da mittlerweile eine Tugend entstanden) so oft ich mich erinnere darin, jeden Augenblick zu feieren. Deshalb stehen meine Türen für Ihre Sichtweise sperrangelweit auf. Falls das überhaupt (noch) möglich ist – wenn das Feuer einmal brennt, kann man die Fackel eigentlich nur noch weiterreichen (um einmal im olympischen Bild zu bleiben) – befeuere ich Ihren olympischen Ehrgeiz in dieser Disziplin nur allzugern! :-))
    Was Ihr (überaus) spannendes Selbstexperiment angeht: Ich würde mich freuen, mehr darüber zu erfahren!

  3. Ich bin da nicht streng. Das ist im ökumenischen Sinne durchaus Gottesdienst. „Hopfen und Malz: Gott erhalt’s!“ Wo sich das Weltliche und innige Andacht in Erhabenheit begegnen, ja verschmelzen, findet wahre Läuterung statt. Amen.

    P.S. Sie Schlimme haben Ihren weltlichen Stammtisch-Einschub gelöscht, nun predige ich ins Leere!

  4. Falls es Ihnen noch Niemand zugetragen hat: Man nennt mich die Königin des Edith-ierens! *lach* Erwischt! Diese echt kölsche Wahrnehmung von „inniger Andacht“ wollte ich (Ihnen) auf den zweiten Anlauf lieber tatsächlich verschweigen! *ascheübermeinhaupt*
    In dem Sinne bin ich eine (fast) unbelehrbare Sünderin.

  5. Ich hab den Vor-Editierungs-Status noch erhascht:

    „Wenngleich die Kölner das Beten eher gleich beim Stammtisch miterledigen. :-))“
    DIE HAUSMEISTERIN, 2. Oktober 2011, 12:43

    Hier geht nichts verloren! Sie wissen ja hoffentlich, dass das alles dereinst auf Großwand-Monitor im Museum für Kommunikation projeziert wird.

  6. Schon gut! *lach*
    Ich gelobe (wieder einmal) Besserung. *seufz*
    Edith meint: „und wider besseren Wissens“
    Die Sache mit dem „Großwand-Monitor im Museum für Kommunikation“ dürfte mich (zumindest vorerst) von diesbezüglichem Sündigen abhalten! *achherrje* :-))

  7. Ich hatte die Kommentar-Editierungs-Krankheit auch, bis man sie mir ausgetrieben hat. Allerdings andersrum: ich neigte dazu, alte Kommentare weiterzuklöppeln und konterkarierte damit zum Teil parallel entstehende Antworten auf die ersten Absätze der Erstversion meines Kommentars. Zurecht wurde dieses Tun gegeißelt. Nun bin ich dazu übergegangen, Ergänzungen in Form zusätzlicher Kommentare drunterzuschreiben. Sieht auch nach mehr aus und gibt mehr traffic, haha!

  8. Absolut! Außerdem ist es für die Museumsbesucher später auch weniger anstrengend, die Dramaturgie des Geschwafels zu begreifen. Man muss kundenfreundlich denken.

  9. Zusatz: Manchmal – obwohl dies kaum Jemand als wirklichen Einwand gelten lässt, brauche ich (im wirklichen Leben taste ich mich an „Wahrheiten“ genau auf diese Weise heran) oft mehrere Anläufe, bis ich eine (für mich) stimmige Antwort auf mein Gegenüber gefunden habe. Beim Bloggen allerdings führt das häufig zu Schwierigkeiten.

  10. Ach, das Gegenüber darf den Denkprozess ruhig mitkriegen, das ist keine Schande, sondern ein Zeichen von Hingabe. Im Grunde ein Kompliment! Hingegen so ein hingeschluderter Klischee-Kommentar: „super ey!“ „tolles Foto!“ ohne nachfolgende, komplexe und differenzierte Zusatzergänzungen – das wirkt doch dagegen ganz billig, ja lieblos. Es lebe die hingebungsvolle, differenzierte Kommentarergänzung! „(Kommentar-)Arbeit schändet nicht!“

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