
Die Strecke mag ich am Liebsten. Ich war weit weggebeamt, ganz betrunken vom blauen Himmel. Wer ein bißchen Geduld mitbringt, sieht ihn auch. Das ist glaube ich die umfangreichste Etappe. Die Mauer. Na klar, die Mauer. Der Hauptact. Wenn man das dann sieht, ist man froh, dass noch so ein großes zusammenhängendes Stück da ist. Nicht nur, weil man da gute Fotos machen kann. Das ehemalige böse Monstrum ist ein schöner Hintergrund.

Ich mag die Strecke auch wegen der kleinen Mädchen in den Ringelkleidchen, die sich von ihrem Vater die Mauer erklären lassen. Die Mutter war auch dabei und war etwas am Rand mit noch einem kleinen Kind. Meine Güte, wieviele Kinder die haben, und alles Mädchen wie es ausgesehen hat. Die Mama war recht attraktiv und war gerade dabei die Mädchen zu fotografieren. Da hab ich auch zugeschlagen. Da bin ich hemmungslos, bei so einer Vorlage. Den Kopf vom Vater wollte ich gar nicht draufhaben. Ich fand ihn nicht besonders interessant. Er hatte die Ausstrahlung eines Akademikers mit einem geregelten, sehr guten Einkommen. Vielleicht hat er auch geerbt. So eine ‚aus-gutem-Hause-Aura‘. Nicht, dass ihn das uninteressant machen würde. Er war einfach überhaupt nicht mein Typ, vom Gesicht her. Eine ältere Dame sprach mich an, ob sie mich fotografieren soll. Das werde ich häufiger gefragt, wenn jemand registriert, dass ich viel fotografiere, auch mich. In dem Fall war ich gerührt und habe darauf verzichtet, zu erklären, dass es sich um keine Notlösung handelt, bei dem was ich da treibe. Ich war auch neugierig und wollte der alten Dame eine Freude machen. Einen Moment überlegte ich, ob ich ihr die Kamera erklären muss, dann sah ich aber, dass sie selbst eine kleine Digitalkamera bei sich hatte. Ich schätze, sie war Mitte Siebzig. Dann sagte sie, sie hofft sehr, dass ich zufrieden bin, mit dem Ergebnis. Ja, war ich. Hab mich dreimal bedankt. Wunderbarer Sommernachmittag. Die Ferienetappe von meinem Ausflug. Die farbigen Bilder kommen am Ende.
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Der kleine Junge sieht aber trotzdem echt vertieft aus bei seinen Erkundungen. Ja, die schönsten Bilder sind die ungestellten, sehr praktisch finde ich dafür manchmal ein starkes Zoom. Wenn man allerdings mit Papparazzi-Zoomobjektiven herumläuft, wird es irgendwann ebenfalls auffällig. *gg*
Außerdem sind die Dinger schwer wie Bohrmaschinen. Das kann ich mit meiner Religion nicht vereinbaren. Damit tanzt es sich ganz schlecht.
Der Kleine war ja im Prinzip noch nicht fertig mit Abtasten, deswegen war es nicht total gestellt. Er hätte auch weitergemacht, wenn ich nicht mehr dagewesen wäre.
Ich bin total gegen gestellte Handlungen. Es sei denn, man plant ein satirisches Bild, wo extra gestellt wird und man es auch sehen soll. Vor allem frieren ja die meisten Leute ein, wenn man sagt ‚mach doch mal‘. Mich interessieren sowieso natürliche Bewegungsabläufe und Situationen viel mehr. Eigentlich nur. Ich halte ja sogar auf mich selber nach dem Zufallsprinzip drauf, um mir auf die Schliche zu kommen!