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Vor ein paar Tagen standen unter dem ersten Eintrag, den ich da oben verlinkt habe, der mit dem c’est la vie, noch ungefähr die Worte „ich hätte auf der Stelle kotzen können“. Ich fand diese Reaktion und den Zusatz in seiner leider einsamen Art und Weise angemessen. Von wegen „Lage in Kraftwerk stabilisiert. Am Sonntag könnte wieder Strom in die Reaktoren fließen“. Könnte. In das Kühlsystem, das in dem infernalischen Szenario durch ein irrwitziges Wunder intakt geblieben sein soll? Und dann? Krabbelt einer durch den Schrott und versiegelt den zerfressenen Boden, damit der Dreck nicht weiter das Grundwasser verseucht? Mit höchst wackeligen Aktionsplänen unwägbaren Ausgangs falsche Hoffnungen schüren und das Volk ruhig halten. Lage stabilisiert. Dass ich nicht lache weine. Als läge unter dem Leichentuch des hochverstrahlten Schrotthaufens nur ein leicht mitgenommener Patient mit ein paar leichten Kratzern und ansonstem stabilem Kreislauf. Alles halb so schlimm. Ging ja noch mal gut. Es soll ja auch Menschen geben, die an Osterhasen glauben. Opium für’s Volk. Hoch die Tassen, Verstand versaufen. Ich könnte kotzen.

P.S. auch sehr passend dazu: zu dem Vorfall, dass vor wenigen Tagen Tausende von Litern radioaktiv verseuchten Wassers aus einem Leck eines kanadischen Atomreaktors in den Ontario-See geflossen sind, findet der Sprecher der Betreibergesellschaft, wie könnte es anders sein, salbungsvolle Worte der Beschwichtigung: „Der Vorfall habe aber nur „vernachlässigenswerte Auswirkungen auf die Umwelt und keine Auswirkungen auf die Gesundheit von Menschen“, hieß es in einer Erklärung des Kraftwerksbetreibers Ontario Power.“ Schon klar.
kein Kommentar „(…) Japanische Behörden gaben bekannt, dass in der Präfektur Fukushima radioaktives Jod im Trinkwasser festgestellt wurde, dessen Strahlung über dem gesetzlichen Höchstwert liegt. (…) Das japanische Gesundheitsministerium verbot den Verkauf von Lebensmitteln aus der Provinz Fukushima. Die Strahlenwerte für Spinat und Milch aus der Gegend würden die zulässigen Grenzwerte übersteigen. Eine akute Gesundheitsgefährdung sei aber derzeit nicht zu erwarten„.
„(…) Wegen der Katastrophe hatte das japanische Gesundheitsministerium den Grenzwert für Arbeiter an dem zerstörten Kraftwerk von 100 auf 250 Millisievert hochgesetzt„.
„(…) Reaktor 2 sollte als erster an die Stromversorgung angeschlossen werden. Es ist der einzige Fukushima-Meiler, der über so genannte MOX-Brennelemente mit hoch gifitigem Plutonium verfügt. Ob die Pumpen und Leitungen nach den gewaltigen Explosionen an mehreren Stellen im AKW noch funktionieren, ist völlig unklar„.
N24
In einer Doku über den Reaktorunfall in Windscale aka Sellafield im Oktober 1957, die ich mir eben ansah, fiel übrigens der schöne Satz: You can’t explain radioactivity to a cow. Da ging es auch um verseuchte MIlch, die wurde weggeschüttet. Das Ganze sollte wohl beruhigend klingen.
Harrisburg, 28. März 1979 „MELTDOWN AT THREE MILE ISLAND“ (PART 1)
http://www.youtube.com/watch?v=eLPAigMuBk0
[ „The China Syndrome is a term that describes one possible result of a severe nuclear meltdown in which molten reactor core components penetrate their containment vessel and building. The term is misleading, since molten material from such an event could not melt through the crust of the Earth and reach China“ ] Wikipedia
in memoriam Karen Silkwood
http://www.youtube.com/watch?v=bCzByOOsxNA