Angesichts dieser unkontrollierbaren Kettenreaktion plutonischer Zerstörung regt mich das noch vor einigen Stunden verlautbarte, systematisch beschwichtigende „äußerstenfalls“ sei mit einer Kernschmelze zu rechnen“ von Röttgen auf (für später lesende Generationen: das war damals der deutsche Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit). Äußerstenfalls aber keinesfalls schlimmer. Die berechneten Feinheiten der Beschwichtigungssprache. Na dann.
Furchtbar alles. Die japanischen Behörden haben inzwischen die Kernschmelze im Atomkraftwerk Fukushima bestätigt. Ich erinnere mich an 1986, als der Kern im Reaktor von Tschernobyl geschmolzen war. Wir sind vergleichsweise mit einem blauen Auge davon gekommen. Das war immer der Hauptkritikpunkt an dieser Form der Energiegewinnung, die Unkontrollierbarkeit im Zerstörungsfall. Vielleicht denken immer noch einige, in Deutschland und den umliegenden Ländern wären die Sicherheitskontrollen akribisch genug, dass man von hundertprozentiger Sicherheit ausgehen könnte. Nun ist das aber in einem Land passiert, das für einen führenden High Tech Standard steht. Gegen Erdbeben und Tsunamis hilft aber leider keine Disziplin der Welt. Vielleicht denken einige bei der nächsten Wahl neu darüber nach, ob man Parteien unterstützen kann, die diese Form der Energiegewinnung unverändert tolerieren.
Davon abgesehen erschüttert. Ich blogge im Augenblick ja nicht mehr so dicht, dahinter steht keine besondere Absicht, aber irgendwie will man doch seiner Anteilnahme, Bestürzung Ausdruck verleihen. Ich war noch nie in Japan, noch nie in Asien. Mein Interesse an dieser Erdregion ist erst in den letzten Jahren gewachsen. Auch eine Bewunderung für Teile der Kultur, die oft so schönen, friedliebenden Menschen. Eine bestimmte verfeinerte Anmut, die Menschen aus Asien in einem besonderen Maß haben. Viel mehr als wir hier. Was mir so alles durch den Kopf geht gerade. Schmerzhafte, plutonische Zerstörung.
Trotz „verfeinerter Anmut“ haben die Leute da auch Atomkraftwerke gebaut, im Erdbebengebiet.
Röttgens Bemerkung ist wirklich abenteuerlich doof.
Berliner Atom-Reaktor Bei einem GAU im Berliner Atom-Forschungsreaktor des Helmholtz-Zentrums müssten die Bewohner in einem Radius von mindestens zwanzig Kilometern des Gebietes evakuiert werden. Das Berliner Regierungsviertel eingeschlossen versteht sich. Damit wäre die Stadt Berlin Geschichte. Der radioaktive Müll lagert in Plastikkisten unter freiem Himmel, weil die dafür vorgesehene Lagerhalle mittlerweile überfüllt ist. Irgendwo in der Nähe ist ein Spielplatz.
„Der Reaktor entspricht
nicht den geltenden Sicherheitsvorschriften,
aber die Betriebsgenehmigung ist unbefristet.“
(…)
Aber lesen Sie selbst.
Montag 18 Uhr Alexanderplatz http://www.ausgestrahlt.de/mitmachen/fukushima.html
„Mehrere Flüsse fließen an dem Kernkraftwerk vorbei, wer da denkt das ließe sich alles begrenzen, kann nur eine Kernschmelze im Hirn hinter sich haben. Mein Vorschlag: all die Experten, die sich so gut auskennen mit Kernkraft und uns immer sagen, wie sicher sie ist, werden nach Fukushima gebracht, um das Chaos dort abzusichern.“ Luisa Francia
SEEKABEL STATT ATOMKRAFT!