Seit geraumer Zeit wird einem bei gmx Partnerschafts-Börsen-Reklame aufgenötigt. Lese ich selten, aber gerade sehr auffällig beschriftetes Banner als Einstiegs-Teaser: „Was würden Sie beim ersten Date bevorzugen? Theater? Essen? Spaziergang?“ Muss ich nicht lange überlegen. Essen. Theater lenkt unnötig vom Wesentlichen ab, Spazierengehen kann man immer noch, aber gut essen ist in jedem Fall ein (Erkenntnis)Gewinn ersten Ranges, selbst wenn die riskierte Verabredung ein Fehlschlag wäre und man bekommt auch gleich etwas Wesentliches mit, nämlich, ob der Mensch vernünftige Manieren hat. Gegessen wird schließlich jeden Tag. Eine saudumme Bemerkung zu einem Theaterstück ist zu verschmerzen, wann geht man schließlich schon ins Theater. Aber essen! Ein regelmäßiges Unterfangen.
Wird geschmatzt, geschnauft, gekrümelt, gestochert, gemäkelt, einzelne Bestandteile aussortiert oder die Hälfte auf dem Teller gelassen? Die Gabel wie ein Schraubenzieher gehalten? Das lässt tief blicken! Dagegen ist Astrologie feuchter Kehricht. Bei der Pizza der Rand abgeschnitten? Die Spaghetti-Mahlzeit linkisch mit der Gabel in den Löffel gerollt? Schlimmer italienischer Wein geordert? Gekleckert, in den Zähnen gepuhlt, homöopathisches Trinkgeld verabreicht? Da weiß man gleich, woran man ist. Aber ganz eindeutig Essen.

5 Antworten auf „24. Mai 2010

  1. Das Bedauern liegt ganz auf meiner Seite. Wo gewisse Damen bekennen, sie sähen zuerst auf den Hintern, muss ich antworten: zuerst ins Gesicht und dann auf’s Besteck!

  2. Wie pflegte meine imaginäre ungarische Großtante zu sagen:
    ‚Wer süßen Paprikakloß mit Äläganz kann zärteilen,
    lässt Du den auch gätrrost an Dein Mieder!‘

  3. Auch bitter: Schnalzgeräusche, Schlürfen und Finger ablecken. Ersteres fällt allerdings unter die bereits abgehandelte Kategorie Schmatzen. Finger ablecken gerne für die lieben Kleinen in Muttis Backstube und im Schlafzimmer. Bin ich streng!

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