seit ich mich schreibend im netz tummle, habe ich immer das gefühl, überwiegend mit menschen zu tun zu haben, die sich der jungen generation zurechnen. wahrscheinlich kommt mir das irgendwie bekannt vor. jegliche altersidentifikation wird noch virtuos in koketterie verpackt. noch geht es. ich nicht ausgenommen.
was mich hin und wieder geradezu verstört ist, wenn irgendwer über irgendwelche musikgruppen schreibt, hinweise gibt, von denen ich noch nie gehört habe, und da ich froh bin, wenn man bequem an neue eindrücke herangeführt wird (ich höre ungern wortlastige radiosendungen, überhaupt mag ich kein gerede zwischen musik, das über die genaue ansage des interpreten und des titels hinausgeht und ausgerechnet das wird gerne vernuschelt, wenn es überhaupt erwähnt wird.
musiklastige sender wiederum spielen mir zu viel zeug von richtungen, die mir nicht gefallen, zu einseitig, zu modisch, zu spartenmäßig, zu wenig queerbeet, zu mainstream, zu independent, zu wenig independent; also radio ist nicht mehr meins, deswegen höre ich seit jahren kein radio mehr.
ich kenne keinen radiomacher, der meinen kraut- und rüben-geschmack durch alle richtungen und epochen teilt. jürgen kuttner sollte vielleicht lieber musiksendungen machen, seinen geschmack verstand ich damals, als ich immer wieder mal versuchte, mich an fritz zu gewöhnen, noch am ehesten; aber der spielte in seinen gesprächssendungen mit jugendlichem publikum auch allzu oft dasselbe. und ich meine nicht den abspann mit der winterreise – ich weiß nicht mal, ob es die sendung noch gibt.
in den achtzigern mochte ich alan bangs nightflight und mora morenz‘ sendung auf dem anarchischen radio einhundert. das war’s seitdem mit regelmäßigem interesse an radioprogramm) –
was mich also verstört, (abstößt wäre ehrlicher, klingt aber brutaler) ist, was da so alles hochgejubelt wird, dann klicke ich mal auf ein demo und mir klappen gleich wieder die ohren zu. ich bin ja u. a. eine britpop-hasserin. bübchen-pop-gruppen. gesang kurz nach dem stimmbruch. pilzköpfiger easy-listening-dreck, der nicht begreifen will, dass john lennon anders inkarnieren wird. was es da alles gibt. da tritt bei mir immer eine art spontanverachtung ein, die durchaus auf diejenigen abfärbt, die jene empfehlung gegeben haben. dann kommt mein kleiner hass. warum hören menschen freiwillig musik ohne witz und drama? ohne tod und teufel? ohne narben und risiko? ohne schwanz und eier?
kennt wer eine neuere gruppe, die man nicht unbedingt kennt, wenn man sich nicht hauptberuflich durch den ganzen independent-kram hören kann, die schöne, dreckige musik macht und dennoch zu filigranerem fähig ist? mit echtem männergesang? stimmen, die nach erwachsenen männern (oder wenigstens einem) klingen und nicht nach blassen buben mit ponyfrisur in schlafanzugartigen klamotten? weiß auch nicht, wie ich jetzt gerade darauf komme. schwelender unmut! vielleicht sollte ich mich mal durch diese hunderttausend metalrichtungen hören. da blicke ich ja auch nicht durch. wann und wie soll man sich durch das ganze zeug denn durcharbeiten.
dass keiner mit madrugada kommt. mit der ersten platte hatte ich es und rannte neunundneunzig? zum konzert in ein kellerartiges etablissement. das war nicht verkehrt. ein zweites konzert, vielleicht ein dreiviertel jahr später in einer größeren halle, im kesselhaus war derart gelangweilt und lieblos dargebracht, mit einem vor überheblichkeit strotzenden sänger mit verendetem charisma, abgedroschendsten und altbackensten zitaten aus der ära der psychedelischen musik (die aber das sehr junge publikum sehr zu beeindrucken schien), dass ich mit meiner begleitung nach der hälfte ging. aber ich mochte die stimmung von industrial silence, der platte. die gitarren und auch die stimme von dem demutsfernen arschloch.
die radiosendung von bob dylan, der alten gießkanne würde ich vielleicht ab und zu hören, wenn ich wüsste, wo die läuft und ob es einen stream gibt. seine sprechstimme ertrage ich gerade noch. und er legt bestimmt spannende sachen auf. bin ich mir eigentlich sicher.
Sie wollen Musik mit Witz und Drama, Tod und Teufel, Narben und Risiko, Schwanz und Eiern? Mit echtem Männergesang, die schön und dreckig zugleich und doch auch filigran ist? Die bei all dem auch noch ihre Demut erweist, der Welt, dem Sein, dem Hörer?
Da fühle ich mich doch gleich dazu berufen, Ihnen eine Liste zusammenstellen. Fürs erste empfehle ich Ihnen, es doch mal mit diesen beiden Jungs zu versuchen. Auf der Bandpage sollten Sie unter dem Link Audio zuallererst den Song Waves Of Grain anklicken. Ich sollte mich doch sehr täuschen, wenn der Sie nicht rundum begeistern würde!
Es ist natürlich nicht einfach, sich von 20jährigen Bengels was erzählen zu lassen, wenn man selbst schon Ende 20 ist wie Sie. Es gibt doch aber so viele schöne, verspinsterte Musik, Xiu Xiu oder Cocorosie, die jenseits von Testosteronmusik Songstrukturen aufbrechen und das übliche Rockerinstrumentarium spielerisch umgehen. Ansonsten, meine
GüteGute, empfehle ich gerne Günther Janssen beim Deutschlandfunk. Soundcheck hat immer wieder tolle Sachen im Gepäck – aus vielen Stilrichtungen. Und wenn Sie es doch mal mit wortreicheren Beiträgen versuchen möchten, die Lange Nacht ist oft sehr, wie sagt man? dufte? gemacht.Am 23.6. ist übrigens Patti Smith in Berlin. Die ist sogar schon Ende dreißig und darf mir was erzählen.
testosteron? büdde.
kennst du laibach? oder – wenn dir das zu
nazimäßigindustriell ist, empfehle ich zur versöhnung mit dem genre britpop die kaiser chiefs oder franz ferdinand. immer gut.werte frau gaga, ich fürchte hier wenig mehr beitragen zu können als ein gewisses gespanntsein auf frau saoirses balkanesque empfehlungen…
der balkan rockt gewaltig, aber ‚laibach‘ ist nun mal wenig repräsentativ für diese gegend…
Oh das kenn ich, auf der Suche nach der neuen Musik.
Wobei mich extrem interessiert, was die Revolution der heutigen Jungen Leute ist. Ich denke allerdings, dass sich die ganz woanders abspielt. Mehr Internet, GamerZ, sowas. Sonst wärs ja einfach.
…mudd club… balkan beats…
ich werd ganz gelb vor neid :)
od srca rado …, ali to je predaleko!
@saoirse
Ich behaupte jetzt einfach mal, dass es alleine Höflichkeit ist, die es mir gebietet, Ihre Frage nicht in ‚fremder Zunge‘ zu beantworten :)
‚Chercher la femme…‘, das war der erste Grund, der Sprache näher zu treten!
Ich habe dann aber auch aus beruflichen Gründen sehr gerne in ähm, na ja…eben dort gelebt, u.a. in Zagreb, Sarajewo, Skopje und Ljubljana (in Belgrad leider nie für längere Zeit…)
Und weil unsere Gastgeberin immer noch nicht so recht mit dem gewünschten Stoff versorgt zu sein scheint, erlaube ich mir, eine ‚Prise‘ beizufügen….
Prijatno!
@ Frau Saoirse
Leider kann ich Ihrem Ansinnen, über mein Leben Bericht zu erstatten, aus folgenden drei guten Gründen nicht nachkommen
1. ‚Die Memoiren eines alten Arschlochs’…, die gibt es bereits!
2. Meine Person MUSS – wenigstens ein wenig –geheimnisumwittert bleiben…, denn sonst bleibt ja nichts!
3. Alle meine mails gehen CC seit geraumer Zeit automatisch an die Frau Justizministerin Zypries in deren Eigenschaft als ‚Vorgesetztin‘ des Herrn Schäuble! Alles aber kann nun doch nicht gesagt, offengelegt und preisgegeben werden…
Ich bitte um Verständnis :)