als ich merke, es läuft wieder auf filigranarbeit hinaus, bereits ein wenig fluche, halte ich inne und begreife, immendorff würde weinen vor glück, wenn er auch nur einen pinsel halten könnte. luxusgejammere. das ging mir heute mehrfach so. immer wieder musste ich an ihn denken. die verlorenen hände, die verlorene kraft. im farbauftrag liegt ein eigener unwägbarer zauber. die bewegungen rühren in eine dimension, die schwer zu beschreiben ist. musik tanzt mit dem gedankenfluss, die hand macht dabei, was sie muss. (ein unbeabsichtigter reim; wahr)

Durch Ihren Beitrag letztens muss ich auch immer mal wieder an Immendorff denken. Das sind dann so Gedanken wie:
was passiert, wenn man einem Menschen die einzige und wichtigste Ausdrucksmöglichkeit nimmt, in der er geübt ist?
Wird er verrückt? Sucht er neue Möglichkeiten? Hat er überhaupt eine Chance, neue Wege zu finden? Ist Verzweiflung nur das, was vorher Ausdruckswut war?
Verzeihung aber vielleicht verstehen Sie…?
Nicht nur Demut, nicht nur Vertrauen, das ist in meinen Augen vor allem Erniedrigung – dies allerdings nicht im negativen Sinne.
Vielleicht ist es aber auch zu weit hergeholt, wenn ich behaupte, Immendorff ist gezwungen, sein Ego für die Kunst zu erniedrigen, indem er anderen den Akt des Schaffens überlässt. Vielleicht interpretiere ich zu viel. Und Erschaffen beginnt immer zunächst im Unbewußten, dessen Bilder in den Kopf steigen, um sich dann einen Weg nach draußen zu bahnen.
Ehrlich gesagt weiß ich noch nicht so genau, was ich von Immendorff als Person halten soll. Ich denke aber, seine Bemühungen sind in der Tat bewundernswert.
Und es erinnert mich ein wenig an Hawking, dessen Kunst das Spiel mit den Weltformeln ist.
Und was sehen Sie in seiner individuellen Wahrnehmung?
Ich finde es immer sehr schwer, zwischen Verstehen und Ausdruck zu unterscheiden. Glauben zu verstehen und dann doch nicht die richtigen Worte finden. Und überhaupt, wer sagt mir, ob das meine persönliche Wahrnehmung oder die des Künstlers oder eine Mischung ist? Hach, schwierig…
Ihre Herangehensweise klingt der meinen sehr ähnlich. Aber irgendwo habe ich dann doch ein wenig den Anspruch, auch verstehen zu wollen. Sie haben völlig Recht, für den Künstler mag das dann nicht mehr wichtig sein. Ich denke allerdings, dass die Triebfeder für jegliche Kreativität immer ein „verständlich machen wollen“ bzw. „in Kontakt treten wollen“ ist – bei mir war es das zumindest.
Liebe Frau Gaga,
ich verneige mich und bedanke mich sehr herzlich für diesen Austausch. Er hat mich sehr berührt und meine Gehirnwindungen ein wenig geschüttelt. Danke für Ihre Offenheit.