20. November 2016

Bin sehr gespannt, was Cosmic heute Nachmittag spielen wird. Wir haben uns kurz darüber ausgetauscht, aber es bleibt eine Überraschung. Kann mich kaum erinnern, von ihm gecoverte Songs gehört zu haben. Einmal spielte er bei einem Gig einen Song von Jeff Buckley, und bei einem anderen als Zugabe ein Medley, das in den Refrain von Hey Jude überging, und das wars dann auch mit Coverversionen. Er hat mir erzählt, dass er in letzter Zeit Spaß am Covern hat und neben eigenen Songs ein paar Sachen vorbereitet hat. Sehr interessante Mischung, – u. a. waren Iggy Pop, Michael Jackson. Neil Young (Indian Givers) und die Foo Fighters (The Best) auf seiner Liste, und ein Song, den Hannes Wader, Reinhard Mey und Konstantin Wecker gemeinsam auf der Bühne gespielt haben. Aber was am Ende dabei ist, bleibt ein Osterei. Jedenfalls zeigt diese Mischung, dass Cosmic sehr ‚breit aufgestellt‘ ist. Wir haben uns ziemlich genau ein Jahr nicht mehr gesehen, nur ab und zu kürzere messages ausgetauscht. Als ich neulich bei dem ersten Kunstsalon war und Irina mir erzählte, dass sie beim nächsten gerne Live-Musik dabei hätten, dachte ich an einige, aber als erstes an Cosmic. Wir müssen mal gucken, wie das mit der Lautstärke ist. Findet ja in einer Atelierwohnung statt. Aber was kann man am Sonntagnachmittag dagegen haben, wenn unter oder über einem gepflegt musiziert wird. Ich habe Cosmic auch zwei Songs vorgeschlagen, den einen mochte er gleich, der ist aber nicht so ganz einfach, mit schönem Fingerpicking, wenn man es sich nicht zu einfach macht. Und der andere ist von einem Songschreiber, mit dem er auf Kriegsfuß steht, aber das Lied ist trotzdem großartig. Aber unwahrscheinlich, dass er das eine schon kann oder das andere in Betracht zieht. Egal, ich freue mich.

19. November 2016

Spüre gerade, was Halbwertzeit (auch) in der Blog-Dimension bedeutet. Kaum sind die Ereignisse eine Woche her, wird kaum jemand zurückblättern. Man ist ja auch viel zu sehr damit befasst, sein eigenes Leben wahrzunehmen. Und das ist vielleicht – ja bestimmt – auch gut so. Natürlich sind bei mir erlesenere Perlen und Preziosen als bei vielen anderen aufzustöbern. Aber das ist nun meine eigene Schuld, dass ich dieses Pulver auf facebook verschossen habe, komplett vorbei an meinen langjährigen Lesern hier. Einiges wurde dort – für mich überraschend (in Anbetracht meiner zahlenmäßig doch eher vergleichsweise geringfügigen Vernetzung), häufig geliked, wie mein Kommentar zum nordamerikanischen Wahlergebnis. Ich postete u. a. das hier, ein Foto, das mich in einem Pressekonferenz-artigen Szenario mit Mikro und Sektglas zeigt (hervorragende Flaschengärung pinot noir von Herrn Zurbrüggens sehr guter Catering-Firma Balthazar – kriege leider kein Geld für diese Erwähnung und auch keine Kiste von dem guten Tropfen, egal), mit dem Zitat des Siegers dieser Wahl, das er am Vorabend, bevor das Ergebnis bekannt war, abgeschossen hatte. „Ich weiß noch nicht, ob ich das Wahlergebnis anerkenne“. Und auch andere fanden so sehr schöne Sachen, wie zum Beispiel diese gif-Animation von Prince, der fassungslos mit schmerzlichem Antlitz den Kopf hin- und herwiegt. Was soll ich sagen. Ich habe natürlich immer nur die allerschönsten Sachen verbreitet. Auch Gedankengänge, die nicht so völlig unsinnig waren oder schöne Zitate. Aber eben an jenem Ort, wo es nie wieder aufzufinden ist. Wer scrollt schon eine facebook-timeline nach unten. O.k. – es mag sein, nein – es ist so – dass es ein familiäres Gefühl bei den Freunden und Bekannten verdichtet, auf die Schnelle dort Befindlichkeiten als Statusmeldung abzusetzen . Das ist ja auch der Anspruch dieser Plattform, und das funktioniert. Und das ist schön und wunderbar und ein Phänomen unserer in vielen Aspekten auch wundervollen Zeit. Aber ich bin darüberhinaus auch noch eine (über die Jahre etwas eitel gewordene) Bloggerin, die nicht hinnehmen kann, das besonders schön formulierte Erkenntnisse, die auf dem eigenen Mist gewachsen sind, nach sehr schneller Zeit (- gefühlt -) verschwinden. Also versuche ich das jetzt irgendwie aufzufangen und aufzuhalten. Diesen Schwund. Und ja sicher – die wenigsten schreiben hingebungsvolle Zeilen in ihre timeline, es werden Bilder gepostet, qualitativ überwiegend anspruchslos, aber man kennt die Leute halt, die drauf sind, auch das hat eine eigene Qualität von Klebstoff. Hier und da ein Empfehlungslink, irgendein Zitat in großer Typo formatiert. Alles legitim. Aber ich komme eben von dieser anderen Ecke. Natürlich habe ich das nicht vergessen, dass vor elf Jahren Zitate (u. a. v. mir) im Museum für Kommunikation auf Bodenplatten gedruckt wurden, in dieser Ausstellung zur Geschichte des Tagebuchschreibens. Da fühlt man sich geadelt. Und das darf man auch, zumal wenn man nicht als ausgewiesene Dichterin oder Autorin angetreten ist, und sich neben Virginia Woolf und Kafka und Frau Wander findet. Das können einige meiner Leser/innen hier auch nachempfinden, denn ich war ja nun nicht die einzige. Und das waren eben keine zwischen Tür und Angel hingeschluderten timeline-postings auf facebook, sondern hingebungsvolle Gedanken, wo man sich dreimal überlegt hat, ob man es so oder so oder so – oder vielleicht doch so formuliert und dann erst veröffentlicht. Das ist wahrscheinlich der Unterschied. So hat jeder seinen kleinen Stolz in dieser oder jenen Hinsicht. Idealerweise sollte man die doch sehr unterschiedlichen Medien und Plattformen nicht miteinander vergleichen. Beides, alles, hat seine Berechtigung. Ich leiste auch keinen albernen Schwur, dass ich dort nichts mehr veröffentliche. Das wäre ja auch zu kindisch. Aber ich will mein Wohnzimmer hier nicht mehr in einen längeren unfreiwilligen Dornröschenschlaf legen. Jetzt muss ich eben abstauben. Und das ist ein bißchen mühselig. Nicht die Art Beschäftigung, die irgendwer liebt. Aber immerin habe ich schon wieder Freude an dem, was ich hier in den letzten Tagen nachgearbeitet habe. Es sieht einfach auch schön aus. Man sollte die Wirkung der visuellen Eindrücke, denen man sich aussetzt, und die man selbst verursacht, niemals leichtfertig gering schätzen.

19. November 2016

Spüre gerade, was Halbwertzeit (auch) in der Blog-Dimension bedeutet. Kaum sind die Ereignisse eine Woche her, wird kaum jemand zurückblättern. Man ist ja auch viel zu sehr damit befasst, sein eigenes Leben wahrzunehmen. Und das ist vielleicht – ja bestimmt – auch gut so. Natürlich sind bei mir erlesenere Perlen und Preziosen als bei vielen anderen aufzustöbern. Aber das ist nun meine eigene Schuld, dass ich dieses Pulver auf facebook verschossen habe, komplett vorbei an meinen langjährigen Lesern hier. Einiges wurde dort – für mich überraschend (in Anbetracht meiner zahlenmäßig doch eher vergleichsweise geringfügigen Vernetzung), häufig geliked, wie mein Kommentar zum nordamerikanischen Wahlergebnis. Ich postete u. a. das hier, ein Foto, das mich in einem Pressekonferenz-artigen Szenario mit Mikro und Sektglas zeigt (hervorragende Flaschengärung pinot noir von Herrn Zurbrüggens sehr guter Catering-Firma Balthazar – kriege leider kein Geld für diese Erwähnung und auch keine Kiste von dem guten Tropfen, egal), mit dem Zitat des Siegers dieser Wahl, das er am Vorabend, bevor das Ergebnis bekannt war, abgeschossen hatte. „Ich weiß noch nicht, ob ich das Wahlergebnis anerkenne“. Und auch andere fanden so sehr schöne Sachen, wie zum Beispiel diese gif-Animation von Prince, der fassungslos mit schmerzlichem Antlitz den Kopf hin- und herwiegt. Was soll ich sagen. Ich habe natürlich immer nur die allerschönsten Sachen verbreitet. Auch Gedankengänge, die nicht so völlig unsinnig waren oder schöne Zitate. Aber eben an jenem Ort, wo es nie wieder aufzufinden ist. Wer scrollt schon eine facebook-timeline nach unten. O.k. – es mag sein, nein – es ist so – dass es ein familiäres Gefühl bei den Freunden und Bekannten verdichtet, auf die Schnelle dort Befindlichkeiten als Statusmeldung abzusetzen . Das ist ja auch der Anspruch dieser Plattform, und das funktioniert. Und das ist schön und wunderbar und ein Phänomen unserer in vielen Aspekten auch wundervollen Zeit. Aber ich bin darüberhinaus auch noch eine (über die Jahre etwas eitel gewordene) Bloggerin, die nicht hinnehmen kann, das besonders schön formulierte Erkenntnisse, die auf dem eigenen Mist gewachsen sind, nach sehr schneller Zeit (- gefühlt -) verschwinden. Also versuche ich das jetzt irgendwie aufzufangen und aufzuhalten. Diesen Schwund. Und ja sicher – die wenigsten schreiben hingebungsvolle Zeilen in ihre timeline, es werden Bilder gepostet, qualitativ überwiegend anspruchslos, aber man kennt die Leute halt, die drauf sind, auch das hat eine eigene Qualität von Klebstoff. Hier und da ein Empfehlungslink, irgendein Zitat in großer Typo formatiert. Alles legitim. Aber ich komme eben von dieser anderen Ecke. Natürlich habe ich das nicht vergessen, dass vor elf Jahren Zitate (u. a. v. mir) im Museum für Kommunikation auf Bodenplatten gedruckt wurden, in dieser Ausstellung zur Geschichte des Tagebuchschreibens. Da fühlt man sich geadelt. Und das darf man auch, zumal wenn man nicht als ausgewiesene Dichterin oder Autorin angetreten ist, und sich neben Virginia Woolf und Kafka und Frau Wander findet. Das können einige meiner Leser/innen hier auch nachempfinden, denn ich war ja nun nicht die einzige. Und das waren eben keine zwischen Tür und Angel hingeschluderten timeline-postings auf facebook, sondern hingebungsvolle Gedanken, wo man sich dreimal überlegt hat, ob man es so oder so oder so – oder vielleicht doch so formuliert und dann erst veröffentlicht. Das ist wahrscheinlich der Unterschied. So hat jeder seinen kleinen Stolz in dieser oder jenen Hinsicht. Idealerweise sollte man die doch sehr unterschiedlichen Medien und Plattformen nicht miteinander vergleichen. Beides, alles, hat seine Berechtigung. Ich leiste auch keinen albernen Schwur, dass ich dort nichts mehr veröffentliche. Das wäre ja auch zu kindisch. Aber ich will mein Wohnzimmer hier nicht mehr in einen längeren unfreiwilligen Dornröschenschlaf legen. Jetzt muss ich eben abstauben. Und das ist ein bißchen mühselig. Nicht die Art Beschäftigung, die irgendwer liebt. Aber immerin habe ich schon wieder Freude an dem, was ich hier in den letzten Tagen nachgearbeitet habe. Es sieht einfach auch schön aus. Man sollte die Wirkung der visuellen Eindrücke, denen man sich aussetzt, und die man selbst verursacht, niemals leichtfertig gering schätzen.

17. November 2016


Meta meta – für meine beiden drei Leser, die mitbekommen, dass die Seite hier seit gestern mehrmals am Tag upgedatet wird – mein Blog wächst seit gestern (vorrangig) zeitlich nach hinten. Es wächst gewissermaßen zusammen, was zusammengehört. Ich copypaste eine Reihe von Einträgen, die mir – ich muss es so sagen – (ausschließlich) auf facebook unterlaufen sind. War keine bewusste Absicht, es ist einfach passiert, weil ich eh auf der Seite war und die Gedanken sich auf die Schnelle ins erstbeste Fenster vor meiner Nase materialisierten. Zunehmend in einer derart zeitlichen Dichte, dass ich irgendwann zu bequem war, jeglichen kurzen Einfall parallel als Blogeintrag zu posten. Aber ich hole das nach. Ist zumindest im Moment meine Absicht, und einiges habe ich auch schon hier eingearbeitet. Da ich sowieso gerade ein klein wenig das Gefühl habe, mein geistiges und auch sonstiges Pulver verschossen zu haben, verausgabe ich mich nicht mit neuen Mitteilungen – und wenn – dann hier. Vieles kam mir in letzter Zeit schon redundant vor. Ältere Bilder gepostet, die zwar sehenswert sind, aber mir bewusst machten, dass ich sie schon mehrfach veröffentlicht hatte. Ich kultiviere ab sofort auch erst einmal keine doppelte Buchführung mehr. Meine Seite bei facebook erscheint nun leer, weil ich sämtliche Einträge auf den Sichtbarkeits-Status „only me“ gesetzt habe. Ausnahmen sind nur Bilder, die namentliche tags haben, die erscheinen dann vereinzelt, wenn es freigeschaltet wurde, bei den Getaggten auf deren timeline. Mag sein, dass das ein paar liebe Menschen irritiert hat, da ich es bis jetzt nicht großartig erklärt habe. Es gibt keine handverlesene Auswahl von Freunden, die etwa noch etwas sehen würden und andere, die gähnende Leere vor sich hätten. Selbst ICH sehe nichts, weil ich es nicht sehen will. Überall dieselbe Einstellung ‚hide from timeline‘. Nur wenn ich zu diesem Folder „your posts“ gehe, ist die ganze Chronologie der Einträge für mich sichtbar. Von der Stelle habe ich auch alles kopiert. Gibt jetzt eine reine Textdatei, die ich als etwas umfangreichere Hausaufgabe abarbeite. Copypasten bis usw . Wenn die leer ist, sprich: ich meine Hausaufgaben gemacht habe, sehe ich weiter. Heute als erstes eine Hand voll offline-Einträge hier auf twoday online gesetzt, die ich bislang als unfertig betrachtet hatte, weil nur ein Link zu einer Bildstrecke darin war. Ich werde das nicht mehr mit epischen Erlebnisaufsätzen nacharbeiten. Es sei denn, mich drängt irgendeine Erinnerung. Die jetzt erst veröffentlichten alten offline-Einträge datieren ungefähr bis Mai 2015 zurück. Es waren eher wenige, vier oder fünf Bildstrecken. Kommen aber noch einige hinzu. Ich war in diesem Jahr viel unterwegs und hatte kaum Zeit, alles zu verarbeiten. Die meisten Bildstrecken sind immerhin doch schon auf flickr. Fleißig war ich ja schon immer. So, genug erklärt jetzt. Ich mache mal weiter. Hier, in diesem sentimentalen Theater.

16. November 2016


https://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=261948265

»Außerdem war Rilke auch ein Salonlöwe. Er hatte nie das Gefühl, bei intellektuellen Soireen oder literarischen Tees nur seine Zeit zu vergeuden. Dort pries er enthusiastisch die sprachlichen Schönheiten, die er bei der Übersetzung von Anna de Noailles aufspürte. Für ihn stellte sie das Äußerste an ästhetischer Kühnheit dar, während sie heute nur noch als Beispiel eines schriftstellerischen Laubsägestils gilt. Rilke hingegen machte ihr Reimgeklingel glücklich.«

Claire Goll, „Ich verzeihe keinem“, Seite 67

16. November 2016


https://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=261948265

»Außerdem war Rilke auch ein Salonlöwe. Er hatte nie das Gefühl, bei intellektuellen Soireen oder literarischen Tees nur seine Zeit zu vergeuden. Dort pries er enthusiastisch die sprachlichen Schönheiten, die er bei der Übersetzung von Anna de Noailles aufspürte. Für ihn stellte sie das Äußerste an ästhetischer Kühnheit dar, während sie heute nur noch als Beispiel eines schriftstellerischen Laubsägestils gilt. Rilke hingegen machte ihr Reimgeklingel glücklich.«

Claire Goll, „Ich verzeihe keinem“, Seite 67