02. Juli 2017


Bloggen ist durchaus Arbeit. Auch ohne Markenbotschafter-Auftrag. Wir alten Recken frickeln an der Reihenfolge von Bildern und Absätzen und feilen und setzen elegante Links. Veröffentlichen und lesen mit den Augen des anderen und ein Kommafehler springt einem ins Auge. Eine Doppelung einer Formulierung, beim rasanten Tippen übersehen. Selbst Einträge, die völlig ohne Text dastehen, werden nochmal angefasst, die minimale Bildunterschrift geändert, man will keinen Umbruch, oder die kleinere Typo ist doch schöner. Überlegungen und Aktivitäten, die Facebook-Postern für immer ein Rätsel bleiben werden. Die Prägung hat bei mir Einzug bei fb gehalten. Nicht einmal da ist es mir schnurz, mit welchem Teaser-Bild die Verlinkung erscheint. Oder wie der Rhythmus der Reihenfolge getaggter Personen ist. Detailverliebt wird editiert. Das Bescheuerte bei facebook ist, dass der Bearbeitungsverlauf gezeigt wird. Ich empfinde das als indiskret. Die Begründung ist in gewisser Weise nachvollziehbar, wenn jemand z. B. ein politisch korrektes Bikini-Mädchen gepostet hätte, das dreitausend Likes bekommt und der Eintrag dergestalt editiert würde, dass das Bikini-Mädchen-Foto durch ein Foto von Adolf Hitler in der Badehose ersetzt wird, würde rückwirkend die Absicht der Likenden torpediert. Man kann in dem Fall das Posting löschen und ein Neues fabrizieren. Wenn dann schon Kommentare oder Likes darunter gewesen wären, die einem lieb sind, sind die dann natürlich weg. Luxusprobleme am Sonntagabend. In Wahrheit treiben mich natürlich ganz andere Dinge um, aber die sind zu sensibel, um hier breitgetreten zu werden. Wenn ich beschreiben sollte, wie es in mir aussieht, wünsche ich mir als erstes Hilfsmittel eine Zeitmaschine. Ich würde fünf bis zehn Jahre vorspulen. Oder noch mehr. Allerdings hat die Zeit auch immer wieder gebracht, dass der Zeitpunkt, an dem etwas sagbar geworden ist, ein Punkt in der Entwicklung war, an dem das was einen umtrieb, derart an Gewicht eingebüßt hat, dass man dann aus Gründen der Irrelevanz keine Energie darauf verwendet, einen Text darüber zu schreiben. Vielleicht sehr, sehr viel später, wenn sich die Dinge über Jahrzehnte relativiert haben und ihren Platz finden im großen Archiv. Dann zieht man vielleicht irgendwann eine knarzende Schublade auf und hält ein Fundstück aus der Vergangenheit gegen das Licht und ertappt sich dabei, wie ein zärtliches Gefühl in einem aufsteigt. Ganz friedlich. Und erinnert sich vielleicht doch. An all die Bilder. Und das Herzblut.

01. Juli 2017

An besonders schönen Tagen
ist der Himmel sozusagen
wie aus blauem Porzellan.
Und die Federwolken gleichen
weißen, zart getuschten Zeichen,
wie wir sie auf Schalen sahn.
Alle Welt fühlt sich gehoben,
blinzelt glücklich schräg nach oben
und bewundert die Natur.
Vater ruft, direkt verwegen:
„´n Wetter, glatt zum Eierlegen!“
(Na, er renommiert wohl nur.)
Und er steuert ohne Fehler
über Hügel und durch Täler.
Tante Paula wird es schlecht.
Doch die übrige Verwandtschaft
blickt begeistert in die Landschaft.
Und der Landschaft ist es recht.
Um den Kopf weht eine Brise
von besonnter Luft und Wiese,
dividiert durch viel Benzin.
Onkel Theobald berichtet,
was er alles sieht und sichtet.
Doch man sieht´s auch ohne ihn.
Den Gesang nach Kräften pflegend
und sich rhythmisch fortbewegend
strömt die Menschheit durchs Revier.
Immer rascher jagt der Wagen.
Und wir hören Vater sagen:
„Dauernd Wald, und nirgends Bier.“
Aber schließlich hilft sein Suchen.
Er kriegt Bier. Wir kriegen Kuchen.
Und das Auto ruht sich aus.
Tante schimpft auf die Gehälter.
Und allmählich wird es kälter.
Und dann fahren wir nach Haus.

Erich Kästner
[ nicht dieser und nicht jener und gerade deshalb umso mehr ]
vertont von Karl*


*für Saskia, Jenny, Martina, Maria und Cosima