28. Juli 2016

Entschuldigung, dass ich lachen muss. Suggested Page „Männerwelt – Hier gehts um Auto´s, Grillen & Heimwerken“ So so, um „Auto’s“ mit Deppenapostroph. Wahnsinnig attraktiv. Womit habe ich mich diesmal für diesen Vorschlag qualifiziert? Ist mein (Chat-)Content der letzten Tage so testosteronhaltig? Apropos – interessant, dass in dieser Männerwelt weder Frau noch Sex im Claim ist. Wie kann das sein? Anfänge von Demenz? Verstand versoffen oder vervögelt?

27. Juli 2016

Oh Mensch Gib Acht // Was spricht die tiefe Mitternacht? // Ich schlief, ich schlief // Aus tiefem Traum bin ich erwacht // Die Welt ist tief // Und tiefer als der Tag gedacht // Tief ist ihr Weh // Lust – tiefer noch als Herzeleid: // Weh spricht: Vergeh! // Doch alle Lust will Ewigkeit // will tiefe, tiefe Ewigkeit
Friedrich Nietzsche

26. Juli 2016

read on, my dear.

https://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=261948265

Wenn man viel schreibt, kann man auch bei sich selbst abschreiben. Copypasten. Selten habe ich Lust, mich noch einmal rückwärtig in ein Erlebnis zu vertiefen, um es in einem Eintrag zu verarbeiten. Ich bin da auch bequem. Nun liiegen aber die Bilder hier und niemand wird sich die Mühe machen, zu recherchieren, was das war. Wieso weshalb warum. Am Ende interessiert den Schreiber sein Geschriebenes am meisten. Der Autor als dankbarstes Publikum seiner Selbst. Wie auch immer. Ich schaue mal, was ich hier und da zu diesem Abend vermerkt habe. Bin gleich wieder da. Ah ja. Einiges gefunden. Am zehnten Mai postete ich unter dem Bild von Monika Döring, das auch hier im Eintrag nun zu sehen ist (die ältere punkige Lady im Profil) auf facebook: „Die Legende lebt. Godmother of Loft, Ärzte-Mentorin Monika Döring, gestern im Roten Salon. Großartiger Abend mit Danielle de Picciotto und Alexander Hacke und ihren Supporting Acts. Keine Minute Mittelmäßigkeit. Monika Döring und ich haben uns eine ganze Weile sehr angeregt und warm unterhalten. Sternstunde (liebe sie seit je). Bestes Konzert 2016 bislang.“ Und als Kommentar einen erhellenden Link für diejenigen, die keinen blassen Schimmer haben, wer denn bitte „Monika Döring“ ist und wieso ich hier einigermaßen pathetisch von einer Legende rede.


Am 11. Mai, um Acht vor Zwei, schrieb ich eine nächtliche, private Message, hier sind einige Auszüge: „(…) Ich war bei der Record Release von Danielle de Picciotto und Alexander Hacke im Roten Salon. Beide liegen mir seit langem am Herzen, ich mag sie sehr, wir sind alle drei gleich alt. Alexander schreibt neben seinem Neubauten-Zeug grandios atmosphärische Filmmusiken und ist mit seiner Gypsy Danielle nun ein paar Jahre unterwegs, beide sehen ihr Leben als ein Gesamtkunstwerk. Und wenn du siehst, was Danielle als Malerin und Zeichnerin und Filmerin da seit Jahren zuwege bringt – ohne Worte. Grandios. „We are Gypsies now“ ist sicher eines der schönsten Bücher in der Menschheitsgeschichte. Sie illustrierte den Weg von der festen base in Berlin in die weite Welt, ohne festen Wohnsitz. Danielle wurde in New York geboren und kam in den Achtzigern nach Berlin, war immer visuell aktiv. Ich liebe eigentlich allles, was sie macht. Mir sehr nah. Und Alexander, der vielleicht Gefühlvollste, Empfindsamste der Neubauten. Unglaubliche Antennen, starkes Gefühl für Atmosphäre in Musik, sehr suggestiv, unterirdisch. Trifft mich. Was die beiden da gestern aufführten, hinterließ mich ein wenig fassungslos, weil ich nicht damit rechnete, überwiegend instrumentale Musik zu hören, die mich zum Weinen bringt. Das war nun das Allerletzte, was ich erwartet hätte. So war es aber. Dieses Gewebe von sphärischen Klängen ging so tief. Wenn du zur richtigen Zeit am richtigen Ort bist, dein innerer, ureigener Ton Resonanz erfährt. Dunkel, melancholisch auch. Es ist das ganze Spektrum zwischen Indigoblau und tiefem Schwarz. Die Support Acts waren mir unbekannt und ich war schon beim ersten nahezu sprachlos, auf welchem Level der Abend begann. Pharoah Chromium. Stunning. (schrieb ich unter ein Foto auf fb). Elektrischer Schamanismus. Mit (vermeintlich) viel Pose, die bereits nach dem ersten Takt komplett überzeugt. Psychedelisch, transzendent. Ja, magisch. Nicht übertrieben. Was macht dieser Ambient-Musiker da, was hat er da für zahllose Effektgeräte auf der Bühne…. in seiner Mönchskutte mit der martialischen Maske. Es war einfach großartig. Wenn man nicht mehr weiß, ob man Junge oder Mädchen ist…. alles gut. Alles gut. Danach eine Cellistin mit einem Sphinxgesicht und eine E-Gitarristin, die auch sang, alles war hochgradig sensitiv und filigran ohne je ins Weinerliche zu driften. So beeindruckend. Da saß die gute Betty Rust auf dem Sofa links der Bühne und ich sage noch zu ihr, na, das müssen die beiden jetzt erst mal toppen und sie grinst verständig. Hat ja nun auch schon viel gehört. Und die beiden haben das Level so dermaßen gehalten, wie gesagt (…)






(…) Dass Monika Döring, die Legende da war, das sah ich schon recht früh, ich wollte sie aber auch nicht plump von der Seite anquatschen. Ich merkte aber nach einer Weile, dass sie mich immer wieder anschaute und unsere Blicke trafen sich sehr warm und vertraut. Ich wusste, wer sie war, natürlich, – DIE Veranstalterlegende der Schöneberger, ach was, der Westberliner Musikszene, die von ihr über Jahre im Loft im Metropol am Nollendorfplatz organisierten Konzerte waren legendär und auch sie selbst als charismatische Erscheinung. Sie hat immer nach der Avantgarde Ausschau gehalten und sich ungemein für die Ärzte engagiert, die beim Rockwettbewerb des Senats mitmachten, wie eine Löwin hat sie für die Ärzte gekämpft. Ich war so gerührt, sie nach so sehr langer Zeit wieder einmal zu sehen, wir haben nie vorher gesprochen, sie war für mich eine unnahbare Autorität. Nun ist sie in einem Alter, wo sie besonderer Aufmerksamkeit beinah demütig begegnet, obwohl ihr gesunder Eigenstolz sehr schön präsent ist, nach wie vor. Unsere Blicke begegneten sich also in absoluter Präsenz und sie wirkte so interessiert und ich sagte also…. „Sie sind doch Monika Döring….“ (sicher ja, ich lächelte auch verbindlich, na klar) Und sie strahlt mich an, strahlt zurück, als hätte jemand den 500-Watt-Scheinwerfer angeknipst. Und so kamen wir ins Gespräch. Tauschten uns darüber aus, was wir besonders mochten… (ja, den ersten support act…) und auch was es sonst noch so gibt – oder wie wenig es mitunter gibt, das so sehr eigenwillig ist. Was unbeugsam ist und durch eine ureigene Qualität besticht. Ich musste an dich denken. Sie schaute mich neugierig an. Monika Döring, die Legende. (…) Na ja, wie auch immer – sie gab mir ihre Mailadresse und sagte, dass sie nicht auf fb ist. Süß, wie sie mir ihre Adresse dreimal deutlich vorsagte, „Döring mit oe!“ bei Dingenskirchen at sowienoch. Schöne Begegnung. Und dann wollten wir die Künstler mit Plattenkäufen supporten und Monika wollte unbedingt eben von dem pharaonischen support act die Platte, und ich unbedingt die von Danielle und Alexander, weil so oft heult man dann auch nicht vor lauter Berührtheit beim Musikhören. Monika Döring kann nicht mehr so gut gucken, ich glaube, sie ist schon einiges über Siebzig, bestimmt…. deswegen gerät das Augen Make up auch etwas drastisch, aber egal – Hauptsache es rockt. Ich suchte ihr also mit ihre Wunschplatte aus und wollte selber nur die CD haben, von Danielle und Alex und da war aber als quasi give away eine Vinylplatte dabei – bzw. umgekehrt. Man konnte die Vinylplatte haben, in der dann auch eine CD versteckt war, aber nicht separat. Und dann überlegte ich, was ich mit einer Vinylplatte soll, wieviele Menschen kenne ich noch, mit Plattenspieler? Ich glaube zwei. Aber du bist mir zuerst eingefallen. (…) Das Werk heißt Perseverantia. Auf dem Cover ist ein Rhinozerus. Sehr schön. Schönes Cover. (…)“ Und am fünfzehnten Mai postete ich auf fb eine Aufnahme, die Danielle de Picciottos archaisch-psychedelische Visuals zeigt, mit der Bildunterschrift „DAS sind Visuals. Alexander Hacke, Danielle De Picciotto, Perseverantia

25. Juli 2016


https://www.flickr.com/apps/slideshow/show.swf?v=261948265





Hatte ich ja erwähnt. Meinen Ausflug zur Villa Kult. In Lichterfelde. In dreißig Jahren in Berlin war ich ungefähr zweimal in Lichterfelde, diesen Besuch mitgerechnet. Der Hindenburgdamm ist auf dieser Höhe von Villen gesäumt, die meisten direkt zur verkehrsreichen Straße hin, aber dieses Objekt liegt ganz weit hinten, man überquert eine große Rasenfläche bis zur Villa, die auch ein kleines Hotel ist. Ich bin entdeckungsfreudig, was unbekannte Orte anbelangt, vor allem in Berlin. Wenn mir jemand den Besuch in einer Kneipe, Bar oder einer sonstigen Location vorschlägt, wo ich schon dreimal war oder eine mir unbekannte Alternative, wähle ich den unbekannten Ort. Für mich lohnt es sich schon alleine deshalb, weil es etwas Neues ist. Ich mag keine nahezu identischen Wiederholungen. Außer vielleicht beim Essen, Trinken und Rauchen. Und ich gehe wiederholt gerne zurück in meine Wohnung, aber sonst eher nicht. Ich bin einfach zu neugierig und erlebnishungrig. Wenn dieser Abend mit identischer Besetzung an einem Ort, den ich kenne, stattgefunden hätte, wäre die Wahrscheinlichkeit sehr gering gewesen, dass ich mich dazugeselle. Obwohl ich wusste, dass nette oder interessante Menschen da sein würden. Ich hatte eigentlich mit Jan gerechnet, der wollte gegen Halbacht dort sein, ich habe aber zuhause ein bißchen getrödelt und war noch online anstatt mich anzuziehen und war dann erst nach Acht da, und da war Jan bereits wieder weg, der Umtriebige. Ich bin zunächst eher aus Höflichkeit gegenüber Konstantin etwas länger geblieben, als ich wollte, aber dann zeigte er seine Filmschnipsel und erzählte so kurzweilig, und ich hatte auch nichts anderes vor. Die anderen kannte ich nur flüchtig, teilweise vom Sehen. Trotzdem saßen wir dann später in so trauter Runde, als wären wir uralte Freunde, wobei einige sich tatsächlich länger kannten. Die beiden Frauen, die ich da fotografierte – sie wollten es gerne – ich wäre nicht auf die Idee gekommen – habe ich zum ersten mal gesehen, Rita, die mit den ausladenden Armbewegungen, die filigranere, mochte ich auf Anhieb. Sehr lebhaftes Naturell. Sie hatte ihren Neffen dabei, ein junger Mann namens William, ein Italiener, der auf eine sehr interessante Weise Deutsch spricht, relativ langsam und artikuliert, um Fehler zu vermeiden. Ich habe keinen einzigen Fehler ausgemacht, alles grammatikalisch korrekt. Ein Akzent ist da, aber das ist ja auch normal. Er war einer der wenigen Raucher, ich hatte kein Feuerzeug dabei, habe ich nie. Ich lasse mir gerne Feuer geben. Rita war sehr beglückt, dass ich Zigaretten hatte, William dreht, das mag sie nicht so, also Selbstgedrehte ohne Filter rauchen. Ich war ziemlich verblüfft, welche Themen zur Sprache kamen. In solchen Runden ist ja gerne mal Klatsch und Tratsch aus der Szene Gesprächsthema, aber nein, es ging um den vor kurzem erbrachten wissenschaftlichen Nachweis von Einsteins Theorie der Gravitationswellen, um die Zeit-Raum-Achse und andere physikalische Wellen-Phänomene. Ich glaube, einer der Männer in der Runde hatte da auch einen universitären Hintergrund, anders kann ich mir dieses aus der Pistole geschossene Fachwissen nicht erklären. Nur, dass die anderen da auch mit Feuereifer am Diskutieren waren, war schon recht interessant. Na gut, einiges stand ja auch darüber in der Zeitung, das habe sogar ich mitbekommen. Es mäanderte dann stellenweise ein bißchen ins Esoterische, aber das ist ja heutzutage auch normal. Schon angenehm, in einer Sommernacht draußen zu sitzen und zu trinken, zu rauchen und herumzuphilosphieren. Wobei ich dann doch hauptsächtlich zugehört habe. Ich rede eigentlich selten, um mich reden zu hören, sondern nur wenn ich glaube, etwas Substanzielles beitragen zu können. Wieder einen Ort erkundet. Ich mag es, wenn Kunst in einem Umfeld ist, wo getrunken und gelebt wird. Galerien gefallen mir eigentlich nur, wenn sie sich bemühen, atmosphärisch einen sinnlichen, einladenden Lebensraum zu erschaffen, das gibt es viel zu selten. Deswegen war ich auf Anhieb in die Sevenstar Gallery bei mir hier um die Ecke, in der Gormannstraße verliebt. Ein besonderer Ort, den ich gerne mehrmals besucht hatte. Aber dann war eine Weile nichts, und es war dann auch mal gut. Seit wieder Galeriebetrieb ist, war ich nicht mehr da, es fehlt mir aber auch nicht wirklich. Ich kann mich immer so gut an alles erinnern. Und es gibt hier noch so viel anderes zu entdecken und zu erleben.